Franz Kafka - Die Verwandlung

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  • Published : November 27, 2010
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1. Einleitung

Franz Kafka, der bedauerlicherweise kurzlebige Schriftsteller im Zeitalter des Expressionismus, der aber nicht unbedingt in irgendeine Strömung einstufbar ist, hinterließ eine im größten Teil nur in Fragment übriggebliebene, davon unabhängig aber ein sehr bedeutungs- und wertvolles Lebenswerk. Ich möchte mich mit seiner Schrift „Die Verwandlung”, die er 1912 geschrieben hat, beschäftigen. Ich dachte an sie, weil Kafka in diesem Fall, abweichend von seinen anderen Schriften, die konventionelle Struktur einer Geschichte ausgewählt hatte, doch im Gegensatz zur einfachen Form ist die Auslegung des Inhaltes komplizierter und mehrdeutig. In meiner Hausarbeit werde ich die Interpretationsmöglichkeiten anhand des Textes aus verschiedenen Aspekten erörtern.

2. Narratologische Aspekte

Schon bei der Bestimmung der Gattung gibt es Probleme. Oft wird dieses Werk als eine Novelle, die in drei Kapitel gegliedert ist, definiert. Das wäre aber, meiner Meinung nach, viel zu einfach, besonders wenn wir daran denken, dass es nicht anders als Kafka, dessen Werke schwer zugänglich sind, geschrieben hat. „Die Verwandlung“ als Märchen zu kategorisieren wäre übertrieben. Außerhalb des Leitmotivs, dass Gregor Samsa ein Ungeziefer wurde, gibt es in der Geschichte nichts Außergewöhnliches. Da aber dieses Ungewöhnliche ans Tageslicht kommt, sich verkörpert, trotzdem die Leser keine Erklärung bekommen, geht es viel mehr um eine Fabel ohne Belehrung. Wir lachen über die grotesken Situationen, doch es ist kein angstfreies Lachen, wir können den Greuel nicht loswerden. Die Geschichte ist mit der Atmosphäre der grotesken Tragödie gewürzt. Die Erzählinstanz ist auch nicht eindeutig. Die Geschichte enthält sowohl persönliche Meinungsäußerungen als auch Kommentare des Autors. Der Anfang wird aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers geschildert: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte[…]“. Dann kommt die Hauptfigur immer öfter zum Wort, seine Gedanken erfahren wird durch innerer Monologen, was für die Personalerzähltechnik typisch ist. Ganz am Ende tritt der Erzähler wieder vor und „benimmt sich“ distanziert, unkritisch. Da vorwiegend die persönliche Seite gezeigt wird, geht es hier, meines Erachtens, was die Erzählweise anbelangt, um einen Bericht aus Personalperspektive, aber interessanterweise nicht in Ich-Form. Kafka verwendete die Technik sowohl der zeitraffenden als auch der zeitdeckenden Erzählzeit. Die Chronologie ist im Grunde genommen linear mit einigen Rückwendungen, wodurch die Vorgeschichte der Familie zur Öffentlichkeit kommt.

3. Autobiographische Elemente

Die zweite große Frage ist, ob Kafka die Motive aus seinem Leben bewusst verwendete oder diese sind nur Kette von Zufällen. Ich ziehe in Frage, dass es überhaupt solche Autoren gibt, die beim Schreiben durch persönliche Erlebnisse gar nicht beeinflusst sind. Zwischen Kafkas Verwandlung und seinem Leben gibt es ja so viele Parallele, dass sie keinesfalls zufällig sein können. Die Konsonanz der zwei Familienname (Samsa- Kafka) ist das, was zuerst auffallen kann, doch selbst Kafka hat es in einem seiner Briefe behauptet, die Wahl war nicht bewusst. Es ist viel wahrscheinlicher, dass er wegen der Kryptogrammfunktion diesen Namen gewählt hat. ( „sams ja“ bedeutet auf Tschechisch einsam). Der Vater-Sohn-Konflikt, was auf Kafkas innere Welt auswirkte, erscheint sehr pointiert in der Geschichte. Faktum: Kafka hatte eine schlechte Beziehung mit seinem Vater. Hermann Kafka despektierte die schriftstellerische Ambitionen seines Sohnes; erzog ihn streng, benahm sich nie feinselig. Wie Gregor, so wollte Kafka seinem Vater entsprechen, doch es gelang ihm nicht. Kafkas Verhältnis zu den Weiblichen war enger. Sie liebte seine Mutter, wie Gregor auch. Dieses Gefühl war wechselseitig, doch die Mütter traten dem Willen des Vaters nicht entgegen. Die nette Figur der Schwester, Grete schildert die Beziehung zwischen Kafka...
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