Das Idealbild von Aristoteles und Untersuchungen an alten Quellen.

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  • Published: February 26, 2004
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1.Einleitung

Im Jahre 332 v. Chr. fiel Ägypten dem makedonischen König Alexander dem Gro-ssen und seinen Truppen in die Hände. Nach seiner Krönung in Memphis zum neuen Pharao zog er über den kanopischen Nilarm nach Norden, wo die Gründung Alexan-drias erfolgte. Die Stadt galt nicht als ägyptisch und trug durch die ganze Ptolemäer-zeit hindurch den Zusatz "bei Ägypten". Sie galt als Knotenpunkt zwischen dem Nil-land und dem Mittelmeer. In nur wenigen Jahrzehnten stieg die Stadt zum Mittelpunkt der gesamten hellenistischen Welt der damaligen Zeit auf, da sie bald als wichtiger Handelsposten zwischen dem Fernen Osten und der griechischen Welt galt.

Im Folgenden soll nun aufgezeigt werden, wie unterschiedlich die Gründung in den Quellen dargestellt wird. Welche Unterschiede gibt es? Wie lassen sich die Unter-schiede zwischen den Quellen erklären? Wieso wurde die Stadt genau an der Stelle gegründet? War es nur Zufall oder Berechnung? Welchen Vorzug hatte Alexandria, den Naukratis nicht gehabt hat?

In einem ersten Teil geht es vor allem darum, die Gründungsgeschichte aufzuzei-gen. Die Gründungsgeschichte wird in der Fachliteratur sehr unterschiedlich darge-stellt. Es wird daher versucht, einen Konsens zwischen den verschiedenen Werken zu finden. In einem zweiten Teil werden die Quellen über die Gründung Alexandrias ge-nauer untersucht. Die eigentliche Geschichte steht hier nicht im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Unterschiede und die Legenden in den einzelnen Quellen. In einem wei-teren Kapitel werden die Theorien des Aristoteles mit dem Modelfall Alexandria ver-glichen.

Über Alexandria wurden zahlreiche Werke geschrieben. Die wenigsten enthalten jedoch genauere Ausführungen darüber, unter welchen Umständen die Stadt gegrün-det worden ist. Das Werk von Fraser (Ptolemaic Alexandria) liefert einen guten Über-blick über die antike Stadt. Es enthält ausserdem noch ein Kapitel über ihre Grün-dung. Fraser geht darin genauer auf die Bedeutung von Rhakotis ein und versucht auch zu erläutern, inwiefern diese Siedlung schon in früherer Zeit eine Funktion ge-habt haben soll. Christopher Haas (Alexandria in Late Antiquity) beschreibt die Stadt auf eine ähnliche Weise wie Fraser. Seine Ausführungen stützen sich auf die neuere Literatur und waren daher sehr nützlich, um die neuesten Forschungsergebnisse mi-teinzubeziehen. Da die Gründungsgeschichte in der Fachliteratur meist nur am Rande erwähnt worden ist, wurden zahlreiche Quelle herbeigezogen. Die wichtigste war si-cherlich die Geographica von Strabon, welche Alexandrias werden im Laufe der Zeit sehr ausführlich beschrieb. Sie stellt ausserdem eine der wenigen Quellen dar, welche die Stadt noch vor Christigeburt beschreibt. Neben Fraser liefert auch Strabon gute Beschreibungen der Siedlungen Rhakotis und Naukratis. Um die Frage der idealen Stadt beantworten zu können wurde die Politik von Aristoteles verwendet. Obwohl sich dieses Werk hauptsächlich auf Athen bezieht, enthält es doch auch wichtige Aus-führungen die Gründung einer Stadt betreffend.

2.Die Gründung Alexandrias

Mit 20 Jahren musste Alexander der Grosse nach dem plötzlichen Tode seines Va-ters die Regierungsgeschäfte übernehmen. Er musste sich gegenüber anderen Thron-anwärtern durchsetzen, da er zu dieser Zeit immer noch als unmündig galt. Innerhalb von zwei Jahren (336 - 334 v. Chr.) gelang es ihm, die Königsgewalt in Makedonien zu sichern. Als es endlich zu einer Einigung im Inneren gekommen war, nahm Ale-xander die Pläne seines Vaters auf, in den Krieg gegen die Perser zu ziehen. Laut RE sollte dies ein Rachefeldzug gegen die Perser gewesen sein, da diese viele griechi-sche Heiligtümer zerstört hätten. Mit rund 30'000 Fusssoldaten und 5'000 Reitern zog er über die Dardanellen. Bei Granikos errang das Heer einen grossen Sieg, der dem Feldherrn die Herrschaft über einen Grossteil der ionischen Städte sicherte. Er sicher-te ihnen Demokratie und Selbständigkeit zu. Die Bewohner vieler Siedlungen ergaben sich...
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